Zukunft der Altersvorsorge in der Schweiz

älteres Paar geniesst die Freizeit nach der Pensionierung, z.B. dank frühzeitiger Vorsorge-Planung mit der Glarner Kantonalbank

Mit der verworfenen Abstimmung vom 24. September 2017 steht die Schweiz nun vor dem viel beschriebenen Bild eines Scherbenhaufens. Die Altersvorsorge ist ein sehr komplexes System mit zahlreichen politisch umstrittenen Themen. Klare Mehrheiten oder Vorlagen, die nur Vorteile bringen, waren folglich nicht zu erwarten. Erfolg versprechen nur ausgewogene Kompromisse.

Autor: Prof. Dr. Martin Eling, Professor für Versicherungswirtschaft.

Nach der verworfenen Abstimmung zur Reform ist «vor der nächsten Reform». Mit anderen Worten: Es gilt weiterhin, zentrale Reformthemen wie das Rentenalter, eine gewisse Entpolitisierung von Entscheidungsparametern oder die Frage einer sinnvollen Schuldenbremse konsequent zu adressieren. Nur so lässt sich sicherstellen, dass unser international anerkanntes Vorsorgesystem langfristig funktioniert und die Qualität halten kann.

Zentrale Reformthemen müssen weiterhin konsequent adressiert werden.

Aus meiner Sicht machen dabei eine weitergehende Flexibilisierung, etwa im Hinblick auf Altersteilzeitarbeit, viel Sinn: Denn je länger wir arbeiten, desto mehr tragen wir zur Sanierung der Vorsorgewerke bei. Ich bin überzeugt, dass die Schweiz hier eine Vorreiterrolle einnehmen kann. Das tatsächliche Renteneintrittsalter ist bereits heute relativ hoch und die Arbeitsmarktsituation ist weiterhin sehr gut. Wenn es gelingt, durch «Alters(teilzeit)arbeit» das tatsächliche Renteneintrittsalter weiter anzuheben, wird dies die Finanzierungsprobleme der Sozialwerke deutlich abfedern.

Darüber hinaus ist es wichtig, den Blick nicht auf den Bereich der Pensionen zu beschränken. Denn die eigentliche demografische Bombe schlummert in meinen Augen nicht im Bereich der Pensionen, sondern bei den Themen altersbedingte Krankheiten und Langzeitpflege. Diese bringen auch gerade bei Vorsorgethemen grosse Fragezeichen mit sich. Denn auch ein beträchtliches Vermögen kann etwa im Pflegefall enorm schnell verbraucht sein. Die Herausforderungen im Bereich Pflegeorganisation und -finanzierung sind gut bekannt, allerdings werden sie nicht systematisch angegangen.

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