Planen Sie die Pensionierung frühzeitig

Vorsorge-Planung im persönlichen Gespräch mit dem Kundenberater als Vorbereitung für die Pensionierung bei der Glarner Kantonalbank

Für die Pensionierungsplanung ist es nie zu früh. Im Folgenden erfahren Sie, wann es welche Schritte zu beachten gibt und wie Sie Ihre Pensionierung optimal planen.

Die Pensionierungsplanung ist ein Lebensabschnitt, der die meisten von uns erst ab einem Alter von circa 58 Jahren konkret betrifft – ganz im Gegensatz zu anderen Vorsorgethemen wie dem Erwerb von Eigenheim, der beruflichen Selbstständigkeit oder dem Absichern gegen Invaliditäts- und Todesfallrisiken, die oftmals früher angegangen werden.

Bei einer sorgfältigen Pensionierungsplanung gilt es, verschiedene Aspekte zu berücksichtigen. Planen heisst Fakten zusammenzutragen, sich Fragen dazu zu stellen und die besten Antworten darauf zu finden. Was gilt es zu beachten? Welche Fakten spielen eine zentrale Rolle und wo liegen Stolpersteine?

Lebenserwartung
Der Lebensabschnitt nach der Berufstätigkeit beträgt heute aufgrund der gestiegenen Lebenserwartung rund ein Viertel unserer Lebenszeit oder anders ausgedrückt: rund 20 Jahre. Eine lange Zeit, die es nicht zuletzt aus finanzieller Sicht gut zu planen gilt.

  • Der Planungshorizont beträgt rund 15 bis 25 Jahre.

Einnahmen und Ausgaben
Unser Erwerbsleben ist geprägt vom Verhältnis zwischen Einnahmen und Ausgaben. Höhere Einnahmen als Ausgaben ergeben eine Sparquote, höhere Ausgaben als Einnahmen werden als Vermögensverzehr bezeichnet. Um diese beiden Werte verlässlich zu ermitteln, kann ein Ausgabenbudget erstellt werden. Dieses wird dann den Einnahmen gegenübergestellt, um das erklärte Verhältnis zu bestimmen.

  • Ein detailliertes Ausgabenbudget ist Voraussetzung für eine verlässliche Pensionierungsplanung.

Lebensstandard
Nach der Pensionierung wollen Sie das Leben im gewohnten Rahmen geniessen. Sie wollen nicht mehr sparen müssen, sondern mit den vorhandenen Einnahmen (AHV und Pensionskassenrente) den gewohnten Lebensstandard aufrechterhalten.

  • Wer während des Erwerbslebens bereits gespart hat, wird in der Regel nach der Pensionierung aus Gewohnheit nicht mehr ausgeben als zuvor.

Einnahmen im Erwerbsleben und nach der Pensionierung
Während des Erwerbslebens bestehen die Einnahmen hauptsächlich aus dem Lohn. Nach der Pensionierung entfällt diese Einnahmequelle. An ihre Stelle treten die AHV- und die Pensionskassenrente.

  • Je höher der Lohn während des Erwerbslebens war, desto grösser ist die Differenz zwischen dem Einkommen vor und nach der Pensionierung. Je höher Ihre Einnahmen während des Erwerbslebens waren, desto wichtiger ist die eigene freiwillige Altersvorsorge (3. Säule). Diese zusätzlichen Mittel helfen, einen allfälligen Ausgabenüberschuss auszugleichen und so den gewohnten Lebensstandard zu gewährleisten.

Einnahmen nach der Pensionierung
Der Vorsorgeausweis der Pensionskasse und die Rentenberechnung der AHV sind die Planungsunterlagen, die uns über die Einnahmen nach der Pensionierung Auskunft geben. Es ist zu empfehlen, diese Angaben von einem Vorsorgespezialisten überprüfen und interpretieren zu lassen.

  • Es lohnt sich, den Pensionskassenausweis korrekt zu lesen und zeitgerecht eine Rentenberechnung bei der AHV-Ausgleichskasse in Auftrag zu geben.

Pensionskassenkapital: Renten- oder Kapitalbezug
Bei diesem Thema gibt es kein Richtig oder Falsch. Sind Sie es sich gewohnt und bereitet es Ihnen Freude, Ihr Kapital selbst zu verwalten, so können Sie als Alternative zum Rentenbezug auch einen Kapitalbezug oder eine Mischform ins Auge fassen.

  • Die richtige Antwort auf diese Frage gibt es nicht, denn sie wird von vielen Faktoren wie Pensionskassenreglement, Gesundheitszustand, familiären Verhältnissen, steuerlichen Aspekten und vielem mehr beeinflusst.

Irrtum: «Nach der Pensionierung muss die Hypothek zurückbezahlt werden!»
Immer wieder heisst es, Banken würden Rentnern keine Hypotheken mehr gewähren, diese müssten zurückbezahlt werden. Das ist nicht korrekt. Richtig ist, dass Banken Rentnern maximal Hypotheken im 1. Rang, also bis maximal 67 Prozent des Werts der Liegenschaft, gewähren. Wenn das Einkommen nach der Pensionierung nicht mehr jenem aus dem Erwerbsleben entspricht, dann hat dies natürlich Einfluss auf die Tragbarkeitsberechnung. Das bedeutet, dass eine Hypothek bis auf jene Höhe amortisiert werden muss, die mit dem Einkommen nach Pensionierung noch tragbar ist. Bei grossen und teuren Liegenschaften kann dies durchaus auch unter 67 Prozent sein.

  • Die Höhe der Hypothek nach der Pensionierung hängt von verschiedenen Faktoren ab und sollte darauf abgestimmt festgesetzt werden.

Liquidität halten und Geld anlegen
Wer liquide Mittel einzig auf Konten anlegt, der fährt in der Regel gut, wenn er die Hypothek reduziert oder ganz zurückzahlt, sofern er nachher immer noch über genügend Mittel verfügt. Denn wenn Sie zur Rückzahlung sämtliche flüssigen Mittel verwenden, geht dies auf Kosten der Liquidität und schränkt Ihre finanzielle Flexibilität für ausserordentliche Ausgaben oder bei finanziellen Engpässen unnötig ein.

Wer bereit ist, einen Teil seines Gesamtvermögens in Wertschriften anzulegen, der kann im derzeitigen Zinsumfeld gegenüber den Zinskosten der Hypothek eine höhere Rendite erwirtschaften. Auch dann macht es Sinn, eine Hypothek nicht vollständig zurückzuzahlen.

  • Das Abzahlen der Hypothek sollte stets sorgfältig und in Bezug auf Zeitpunkt und Höhe geplant werden.

Sind Einkäufe in die Pensionskasse sinnvoll?
Auch bei dieser Frage gibt es weder richtig noch falsch. Die Antwort hängt beispielsweise davon ab, wie gut aufgestellt die Pensionskasse ist, welche Leistungen sie erbringt und was schliesslich das Ziel der Einzahlungen ist.

  • Prüfen Sie mit einem Vorsorgeberater, ob und wann Einkäufe in die Pensionskasse sinnvoll sind.

Kann ich mir eine vorzeitige Pensionierung leisten?
Die heutige Arbeitswelt fordert zunehmend und der Wunsch, sich frühzeitig pensionieren zu lassen, kann irgendwann aufkommen. Bei genauer Prüfung der finanziellen Voraussetzungen erkennen Sie rasch, ob eine vorzeitige Pensionierung ohne gravierende finanzielle Einbussen möglich ist.

  • Ein frühzeitiges selbstständiges Ansparen zusätzlicher finanzieller Mittel neben der 1. und 2. Säule (AHV und Pensionskasse) ist in der Regel unerlässlich für die vorzeitige Pensionierung.

Pensionierungsplanung – der Faktor Zeit
Gerade die Erkenntnisse rund um das Thema vorzeitige Pensionierung sind gute Beispiele dafür, wieso der Faktor Zeit eine wichtige Rolle spielt. Wer sich beispielsweise ein Jahr vorzeitig pensionieren lassen und dieses Jahr selber finanzieren möchte, der benötigt dafür bei angenommenen Lebenshaltungskosten von 65’000 Franken pro Jahr diesen Betrag an Eigenerspartem. Denkt eine 60-jährige Person das erste Mal daran, dann muss sie innert vier Jahren diesen Betrag sparen, also rund 16’000 Franken pro Jahr – eine stattliche Summe, an der die frühzeitige Pensionierung scheitern kann.

  • Wenn Sie bereits mit 50 Jahren mit der Planung der Pensionierung beginnen, müssen Sie pro Jahr lediglich rund 4’600 Franken auf die Seite legen. Dies erscheint einiges realistischer und ermöglicht Ihnen, sich diesen Wunsch zu erfüllen.

Die aufgeführten Punkte und Fragestellungen sind nicht abschliessend und mitunter ziemlich komplex. Es lohnt sich, sämtliche Aspekte der Pensionierungsplanung frühzeitig mit einem Vorsorgespezialisten zu besprechen und daraus resultierend die auf Sie abgestimmten Massnahmen umzusetzen.

Vorsorgeauftrag

Mit der Teilrevision des Schweizerischen Zivilgesetzbuchs wurden erstmals die Bestimmungen über den Vorsorgeauftrag gesetzlich verankert. Die Selbstbestimmung und der Schutz von urteils- und handlungsunfähigen Personen wurden dadurch wesentlich gestärkt.

Verliert zum Beispiel eine unverheiratete Person bei einem Unfall oder durch Krankheit ihre Handlungsfähigkeit, sind die nächsten Angehörigen ohne zusätzliche Vorkehrungen nicht berechtigt, deren Vertretung zu übernehmen. Mit dem Vorsorgeauftrag ist ein Dokument geschaffen worden, mit dem im Fall einer länger dauernden Handlungsunfähigkeit bestimmte Befugnisse an Dritte übertragen werden können.

Es handelt sich dabei um folgende drei Bereiche:

Personensorge: Dieser Bereich beinhaltet die Sorge um das körperliche und geistige Wohlergehen sowie den Schutz der Persönlichkeit der handlungsunfähigen Person.

Vermögenssorge: Dieser Bereich beinhaltet die Verwaltung des Vermögens. Es wird eine Person bestimmt, die die Erledigung der laufenden Geschäfte übernimmt. Dazu gehören unter anderem die Bezahlung von Rechnungen und die Einforderung von Guthaben.

Rechtsverkehr: In diesem Bereich wird festgelegt, welche Person die rechtsverbindliche Vertretung in einzelnen definierten oder in sämtlichen rechtlichen Angelegenheiten übernimmt. Zu erwähnen ist unter anderem die Vertretung gegenüber Banken, Behörden, Geschäftspartnern und Familienmitgliedern.

Bei der Vermögenssorge und dem Rechtsverkehr können nebst natürlichen Personen auch juristische Personen eingesetzt werden (zum Beispiel die Bank, ein Treuhänder oder Anwalt).

Ein Vorsorgeauftrag tritt in Kraft, wenn die KESB (Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde) die Handlungsunfähigkeit der verfassenden Person festgestellt hat und eine geeignete Person den Auftrag übernimmt. Es ist zu empfehlen, eine oder mehrere Personen als Ersatz für die Vertretungsperson zu bestimmen.

Der Vorsorgeauftrag ist von Anfang bis Ende von Hand niederzuschreiben und mit dem Datum und der Unterschrift zu versehen oder durch einen Notar öffentlich beurkunden zu lassen.

Beim Zivilstandsamt kann registriert werden, dass ein Vorsorgeauftrag errichtet wurde. Im Kanton Glarus kann dieser auch bei der KESB hinterlegt werden.

Bild/Foto: Samuel Trümpy, Ennenda