Nachfolgeplanung bei der Wyss Bühnenbau AG

Schweissarbeit bei der Wyss Bühnenbau AG in Naefels

Als grösstes Schweizer Unternehmen im Bereich Bühnenbau fertigt die in Näfels ansässige Wyss Bühnenbau AG seit 1957 theatertechnische Einrichtungen – von der Kleinbühne bis zum kompletten Berufstheater. In den vergangenen 60 Jahren wurden mehr als 3’900 Anlagen in der Schweiz und im angrenzenden Ausland gebaut. Viele der Anlagen sind fast täglich im Einsatz, was die ausserordentliche Leistungsfähigkeit und den hohen Qualitäts- und Sicherheitsstandard der Wyss Bühnenbau AG widerspiegelt.

Gut ausgebildete Fachkräfte sind zentral

Der gesamte Wertschöpfungsprozess von der Entwicklung über die Herstellung bis hin zur Montage findet innerhalb des Unternehmens statt. Wartung, Kontrolle und Sanierung von bestehenden Anlagen gehören ebenfalls zum Dienstleistungsangebot. Um ein solches Leistungsspektrum abdecken zu können, sind gut ausgebildete Fachkräfte sowie langjährige Mitarbeitende, die ein grosses Know-how mitbringen, absolut zentral. So findet man bei der Wyss Bühnenbau AG elf verschiedene Berufsbilder in einem Unternehmen vereint.

Ulrich Herrmann von der Wyss Buehnenbau AG in Naefels 2017
Ulrich Hermann, Geschäftsführer, Wyss Bühnenbau AG

Im Rahmen einer Nachfolgeregelung hat Ulrich Hermann als neuer Eigentümer der Wyss Bühnenbau AG ab Januar 2017 die Geschäftsführung übernommen. Peter Michel bleibt als früherer Besitzer weiterhin im Unternehmen und unterstützt als Projektleiter das Unternehmen. Beim Übernahmeprozess stand ihm die Glarner Kantonalbank beratend zur Seite.

Interview mit Ulrich Hermann

Herr Hermann, wie kamen Sie zum Entscheid, Unternehmer zu werden?
Während meiner Berufstätigkeit in verschiedenen grösseren Firmen wuchs in mir ein unternehmerischer Sinn heran und ich vertrat gedanklich immer häufiger die Arbeitgeberseite. Auch musste ich die schmerzliche Erfahrung machen, dass funktionierende Teams aufgrund der Verlagerung von Arbeitsstellen ins Ausland auseinandergerissen wurden. So entschied ich mich, «mein eigener Chef» zu werden und direkten Einfluss auf den Erhalt von technischen Berufen in der Schweiz zu nehmen.

Wie sind Sie an dieses Projekt herangegangen?
Zu Beginn habe ich meine persönlichen Erwartungen, Ziele und Absichten formuliert. Daraus entstand das Grundgerüst, das mir bei der Entscheidungsfindung helfen sollte, ob ein Unternehmen zu mir passt oder nicht. Zusätzlich habe ich mich mithilfe von Büchern ins Thema Nachfolgeregelung eingelesen. Die recherchierte Informationen habe ich in eine Projektplanung umgemünzt. Den zeitlichen Rahmen für das Projekt habe ich bei maximal zwei Jahren festgelegt.

Näharbeit bei der Wyss Bühnenbau AG in Näfels

Warum haben Sie sich für die Wyss Bühnenbau AG entschieden?
Ich habe nach einem vollstufigen Betrieb gesucht. Ein Unternehmen, in dem das Produkt von der Idee bis hin zur Umsetzung den gesamten Wertschöpfungsprozess durchläuft. Auf einer Plattform für Nachfolgelösungen bin ich auf die Wyss Bühnenbau AG gestossen – und es hat alles gepasst! Ich bin zwar als «Branchenfremder» in das Geschäft eingestiegen, aber das breite Aufgabenspektrum hat mich überzeugt. Auch stimmte von Anfang an die Chemie zum ehemaligen Eigentümer, was die Basis für unser heutiges Vertrauensverhältnis bildet. Ausserdem spielte die regionale Verankerung des Betriebs eine wichtige Rolle. Ein Unternehmen zu führen, das sich mit dem direkten Umfeld verbunden fühlt, ist für mich von zentraler Bedeutung. So will ich zu einer positiven Entwicklung der Region beitragen.

Wie sind Sie auf die Glarner Kantonalbank aufmerksam geworden?
Auch bei der Wahl des Finanzinstituts war mir der lokale Aspekt wichtig. Aus diesem Grund war es für mich naheliegend, einen Finanzierungspartner mit regionalem Bezug zu suchen. Ausserdem wurde mir die GLKB für die Nachfolgeregelung von verschiedenen Seiten empfohlen.

Welche Erwartungen hatten Sie an die Bank?
Die Finanzierung empfand ich als die anspruchsvollste Aufgabe im gesamten Prozess. Ich habe einen Finanzierungspartner gesucht, der mich auf dem Weg zum Geschäftsführer begleitet und vollumfänglich unterstützt. Niemand kann in die Zukunft sehen und voraussagen, wie sich der Geschäftsverlauf entwickeln wird. Es braucht seitens Bank ein gewisses Verständnis dafür, dass nicht alles im Voraus planbar ist und dass Emotionen im Gesamtprozess eine grosse Rolle spielen. Von der GLKB habe ich Wohlwollen gegenüber dem Projekt gespürt und die gewünschte Unterstützung erhalten. Zusammen haben wir uns vom Groben ins Detail vorgearbeitet.

Lötarbeit bei der Wyss Bühnenbau AG in Naefels

Was raten Sie Personen, die beabsichtigen, ein bestehendes Unternehmen zu übernehmen?
Zu Beginn muss man sich ein konkretes Ziel setzen und damit den Grundstein für alle anfallenden Entscheide legen. Der absolute Schlüssel für eine erfolgreiche Geschäftsübernahme ist in meinen Augen aber das Vertrauensverhältnis zwischen Verkäufer und Käufer. Als Käufer muss man sich in den Verkäufer hineinfühlen können. Man muss verstehen, was mit ihm während des Nachfolgeprozesses passiert, denn der emotionale Hintergrund ist für beide ein komplett unterschiedlicher. Für den Verkäufer geht es um das Ende einer Ära und eine Ablösung vom Unternehmen, für den Käufer bedeutet es einen Neustart. Im Weiteren habe ich die Erfahrung gemacht, dass man nicht jedes Detail vertraglich festhalten kann. Meiner Meinung nach müssen 80 Prozent der anfallenden Aufgaben und Herausforderungen mit einer Absichtserklärung und einem Handschlag beseitigt werden können.

Wie zufrieden sind Sie heute – bald ein Jahr nach der Geschäftsübernahme?
Ich bin mit der Übernahme der Wyss Bühnenbau AG eine starke Verpflichtung eingegangen. Den Entscheid habe ich jedoch keine Sekunde bereut und mit jedem Tag wächst die Überzeugung, dass ich den richtigen Weg eingeschlagen habe. Ich freue mich darauf, Neues anzupacken und mit meinen Mitarbeitenden gemeinsame Ziele zu erreichen.

Bild/Foto: Samuel Trümpy, Ennenda