Marenco – ein Schweizer Helikopter hebt ab

Marenco Swiss Helicopter AG mit Standort Mollis im Glarnerland, ein Schweizer Helikopter

Am 26. Februar 2016 war es wieder so weit: Nach einigen Monaten ohne Testflüge hob der zweite Prototyp des SKYe SH09 zum Erstflug ab. Problemlos absolvierte der Testpilot Richard Trueman das Erstflugprogramm. Ein Riesenerfolg für das ganze Team und das Projekt der Marenco Swisshelicopter AG aus Mollis.

Klare Anforderungen: flexibel und leistungsstark

Der SKYe SH09 von Marenco ist ein einmotoriger Helikopter der 2,5-Tonnen-Klasse. Helikopter dieser Kategorie gehören zu den meistverkauften Helikoptertypen weltweit. Firmen wie die Heli Linth oder die Air Zermatt setzen diesen Helikoptertyp für Passagier- und Rettungsflüge sowie für Innen- und Aussenlasteinsätze ein. Flexibilität und gute Leistungsdaten im Gebirge sind daher unerlässliche Anforderungen im Pflichtenheft des Marenco-Hubschraubers, um im weltweiten Helikoptermarkt wettbewerbsfähig zu sein. Die geräumige Kabine ist komplett aus Karbon und bietet Platz für bis zu acht Einzelsitze. Diese können einfach ein- und ausgebaut werden. Dank der grossen Hecktüren kann der Helikopter problemlos beladen werden. Auch eine Trage hat Platz für den Fall eines Rettungseinsatzes. Dank der grossen Fensterflächen, sogar im Boden, hat der Pilot eine exzellente Sicht nach aussen und auf allfällige Transportlasten. Dies erleichtert das Fliegen enorm.

Die Firma Marenco macht deutlich, dass die Schweizer Zulieferindustrie innovative und hochwertige Teile in kleinen Stückzahlen zu konkurrenzfähigen Preisen entwickeln und produzieren kann.

Glarnerland: Das Silicon Valley der Schweiz

Die Marenco Swisshelicopter AG wurde 2007 von Martin Stucki gegründet. Die Entwicklung des Helikopters begann mit einem Fünferteam, heute arbeiten bereits rund 130 hoch qualifizierte Helikopterspezialisten, Piloten und Aviatikexperten für die Firma – 40 davon in Mollis und Näfels. Hier liegt ein Vergleich zum Silicon Valley nahe: Auch im «Heli Valley Glarus» ist das notwendige Wissen auf kleinstem Raum konzentriert. Für Montage und Testflüge auf dem Flugplatz Mollis arbeitet das Marenco-Team eng mit der Linth Air Service AG zusammen und die Firma Sauter, Bachmann AG aus Netstal produziert sämtliche Getriebebauteile für den SKYe SH09 von Marenco. Das Ergebnis dieser Zusammenarbeit: ein erfolgreicher Entwicklungsspurt, der höchste Qualitätsstandards erfüllt. Die rekordverdächtig effiziente Entwicklungszeit beinhaltet sogar den Bewilligungsmarathon, der für die Abnahme jeder einzelnen Komponente absolviert werden muss.

Made in Switzerland

Dank des engen Partnernetzwerks und schlanker Fertigungsprozesse kann sich Marenco auf die Montage von Schlüssel-baugruppen wie dem Getriebe und auf die Endmontage konzentrieren. Somit stammen ausser dem Triebwerk, der Elektronik und der Fluginstrumente ein Grossteil der Bauteile aus der Schweiz. Dies festigt den Ruf der Schweiz als Helikopterland weiter. Denn schon seit jeher sind hierzulande sehr viele Helikopter im Einsatz. Die Firma Marenco macht deutlich, dass die Schweizer Zulieferindustrie innovative und hochwertige Teile in kleinen Stückzahlen zu konkurrenzfähigen Preisen entwickeln und produzieren kann.

Massgeschneidertes Produkt

Wenn alles rund läuft, sollen bereits Ende 2017 die ersten Helikopter aus Mollis an den Erstkunden Air Zermatt ausgeliefert werden. Martin Stucki freut sich: «Wir sind sehr stolz auf diesen ‹launch customer›. Durch die Zusammenarbeitsvereinbarung profitieren wir vom breiten Know-how der Air Zermatt. Im Gegenzug liefern wir einen Helikopter, der sich ganz nach den Bedürfnissen der Air Zermatt richtet.»

Lokale Partner – globales Produkt

Trotz schlanker Fertigung braucht es für Montage, Testabläufe, Lagerhaltung und Administration entsprechende Räumlichkeiten – idealerweise an einem Ort. Die erforderliche Montagehalle für die Serienfertigung entsteht derzeit auf dem Flugplatz Mollis. Die Marenco Swisshelicopter AG arbeitet für die Finanzierung eng mit der Glarner Kantonalbank zusammen. «Wir schätzen den direkten Kontakt zur Bank und deren lokale Verwurzelung sowie das spezifische Know-how», erklärt Martin Stucki. «Wir haben uns unter anderem für den Standort Mollis entschieden, weil wir uns im Glarnerland gut aufgehoben fühlen. Umso erfreulicher, dass wir mit der Glarner Kantonalbank einen starken Finanzpartner vor Ort haben.»

Bild/Foto: Benjamin Dieckmann, Winterthur