Linthal 2015 – Ein Jahrhundertbau für die Schweizer Stromversorgung

Das Pumpspeicherwerk Linth Limmern in Linthal im Glarnerland

Mit rund zehn Jahren Planungs- und Bauzeit ist das 2,1 Mrd. Franken teure Ausbauprojekt «Linthal 2015» im Glarner Hochgebirge das grösste Projekt im Schweizer Energiesektor. Dank eines neuen leistungsfähigen Pumpspeicherwerks (PSW) pumpt im Kraftwerk Linth-Limmern in Linthal eine unterirdisch angelegte Anlage mit vier Maschinengruppen Wasser aus dem Limmernsee in den 630 Meter höher gelegenen Muttsee. Dieses wird zu einem späteren Zeitpunkt dann zur Stromproduktion genutzt. Dazu wurde eine über einen Kilometer lange Staumauer am Muttsee gebaut – die längste Staumauer der Schweiz und gleichzeitig die höchstgelegene in Europa. Die Mauer wurde über drei Sommer hinweg erstellt und besteht aus rund 250 000 Kubikmetern Beton. Das entspricht etwa 2200 Einfamilienhäusern.

Die neue Staumauer ist die längste der Schweiz und die höchstgelegene Europas.

Ein wichtiger Beitrag zur Versorgungssicherheit

Der Strombedarf unterliegt im Tagesverlauf starken Schwankungen, insbesondere um die Mittagszeit und abends ist der Verbrauch am grössten. Die Zunahme von unregelmässig anfallender Wind- und Sonnenenergie führt zu Instabilitäten im Netz. Ist die Nachfrage nach Strom also grösser als das Angebot, reagiert man im Pumpspeicherwerk Limmern sofort. Der Muttsee wird geleert und es wird so Strom erzeugt. Wenn alle Turbinen auf Höchstleistung laufen, dauert es etwa 35 Stunden, bis das gesamte Wasservolumen von 23 Mrd. Litern aus dem Muttsee abgeflossen ist. Mit diesem bewährten Vorgehen bedient das Pumpspeicherwerk Limmern durchschnittlich knapp 150 000 Haushalte pro Jahr. Bei überschüssigem Wind- oder Solarstrom kann innert weniger Minuten vom Turbinieren auf den Pumpbetrieb umgestellt und Überschüsse aus dem Netz aufgenommen und für eine spätere Nutzung gespeichert werden.

Ein Jahrhundertprojekt

Das Pumpspeicherwerk Limmern ist ein Jahrhundertbau, errichtet von bis zu 700 Personen aus zwölf verschiedenen Nationen. Mineure, Spritzbetonspezialisten, LKW-Fahrer, Magaziner, Maschinisten, Kranfahrer, Mechaniker, Schlosser, Elektriker, Vorarbeiter, Poliere und Bauführer haben in nicht ungefährlicher Tag- und Nachtarbeit mitgeholfen, den Bau zu realisieren. Heute wird das Pumpspeicherwerk Limmern im Normalbetrieb von 50 Mitarbeitenden betrieben.

Mit dem Strom aus den Glarner Alpen werden rund 150 000 Haushalte pro Jahr versorgt.

Die Kraftwerke Linth-Limmern AG (KLL) mit Sitz in Linthal ist ein Partnerunternehmen des Kantons Glarus und der Axpo. Für die Axpo ist das Pumpspeicherwerk Limmern eines der bedeutendsten Ausbauprojekte. Am Aktienkapital sind der Kanton Glarus mit 15 Prozent und die Axpo mit 85 Prozent beteiligt. Die Kraftwerke Linth-Limmern wurden zwischen 1957 und 1968 erbaut. Mit dem Projekt «Linthal 2015» wurden sie mit einem leistungsfähigen Pumpspeicherwerk erweitert.

Das Pumpspeicherwerk Limmern ist ein Jahrhundertbau, errichtet von bis zu 700 Personen aus zwölf Nationen.

«Ich bin stolz, dass wir mit diesem Jahrhundertprojekt, dank hervorragender Arbeit und viel Herzblut aller Beteiligten, einen wichtigen Meilenstein geschafft haben. Wir haben unser Versprechen eingelöst: Linthal 2015 ist am Netz», so Jörg Huwyler, Leiter Axpo Hydroenergie, bei der erfolgreichen erstmaligen Netzsynchronisation der ersten Maschinengruppe im Dezember 2015. Das PSW Limmern wird durch seine hohe Pump- sowie Turbinenleistung von je 1000 Megawatt und seine flexiblen Einsatzmöglichkeiten einen wichtigen Beitrag zur zukünftigen, umweltfreundlichen Versorgungssicherheit leisten.

Bild/Foto: zVg Axpo